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Südafrika im 20. Jahrhundert

MinenarbeiterIm Jahre 1902 wurden Transvaal und der Oranje-Freistaat britische Kronkolonien und das britische Parlament beschloss 1910 die Gründung der Südafrikanischen Union (Zusammenschluss der vier Kolonien Natal, Transvaal. Oranje-Freistaat und Kapkolonie). Bei den ersten Wahlen gewann der frühere Befehlshaber der Burenarmee, Louis Botha und wurde somit der erste Premierminister der Südafrikanischen Union. Zusammen mit Jan Christian Smuts gründete Botha die South African Party, die sich sehr mit der Aussöhnung von Briten und Buren beschäftigte.

Als Reaktion auf die Botha-Regierung, die die Rechte der Schwarzen sehr begrenzte, schlossen sich im Jahre 1912 schwarze afrikanische Führer zu einer Organisation zusammen (dem „South African Native National Congress), aus der später der ANC (Afrikanische Nationalkongress) hervorging. Der ANC forderte volle Bürgerrechte für alle Südafrikaner und verstand sich als schwarze Widerstandspartei. Durch organisierte Streiks der Minenarbeiter um 1920 versuchte die Organisation die Arbeitsbedingungen der Schwarzen zu verbessern, und später wurde der ANC zur Massenorganisation, deren Aufrufe zu Demonstrationen und Streiks Hunderttausende folgten.

Während des ersten Weltkrieges bot Louis Botha Großbritannien seine volle militärische Unterstützung und führte selbst südafrikanische Truppen an, die Deutsch-Südwestafrika (heutiges Namibia) eroberten. Als Botha im Jahr 1919 starb, übernahm sein Nachfolger Jan Christiaan Smuts das Amt des Premierministers. Smuts glaubte fest an die Höherwertigkeit der Weißen und war maßgeblich für die Entstehung der Apartheid verantwortlich. Er entwickelte Gesetze, nachdem Schwarze in Reservaten leben sollten und ihnen verbot, Land außerhalb dieser Reservate zu erwerben. Im Jahre 1923 veranlasste er, für Schwarze separate Townships an den Stadträndern zu errichten, um die Stadt von Schwarzen frei zu halten. Die schwarze Bevölkerung durfte weder Ämter bekleiden, noch an Wahlen teilnehmen, noch eigenständige Gewerkschaften gründen.

Im Jahre 1934 vereinigten sich die beiden Parteien, die britische South African Party und die Nationale Partei der Buren zu einer vereinigten Partei, der United Party. Briten und Afrikaner (Buren) sollten versöhnt werden, doch als Großbritannien in den zweiten Weltkrieg eintrat, kam es zu einer Spaltung zwischen den Briten und der rechtsgerichteten National Partei, die mit Hitler-Deutschland sympathisierte und eine radikale Rassentrennung (Apartheid) anstrebte. Die Südafrikanische Union erklärte Deutschland zwar 1939 den Krieg, jedoch wurde kein Einberufungsgesetz verabschiedet, und alle Mitglieder der bewaffneten Streitkräfte waren Freiwillige, deren Kampfeinsatz hauptsächlich in Nordafrika stattfand.

 

Südafrika und die Apartheid

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs siegte bei den Wahlen im Jahre 1948 die National Party (Nationalpartei), und unter der Führung von Daniel F. Malan begann eine strikte Apartheidpolitik. Rassen sollten wirtschaftlich, politisch, räumlich und sozial getrennt werden, Eheschließungen zwischen Weißen und Farbigen wurden als Verbrechen geahndet, und Weiße bekamen eine andere Ausbildung.

Whites_OnlyWeiter verschärft wurden die Apartheidgesetze ab 1950. Die Wohngebiete wurden streng getrennt, und die vier Rassengruppen, d.h. Europäer, Bantu, Farbige und Asiaten durften nur in den für sie vorgesehenen Wohngebieten leben. Das Konzept der Homelands verweigerte Schwarzen das Recht, ohne Sondergenehmigung in den Stadtzentren zu leben. Den Schwarzafrikanern wurden bestimmte Stammesgebiete zugewiesen, und wenn sie sich in für weiße vorbehaltenen Gebieten aufhielten, brauchten sie spezielle Pässe.

Der Unmut der unterdrückten Bevölkerung stieg, und der Widerstand der Schwarzen gegen die Apartheid, der gewaltfrei begonnen hatte, führte zu immer mehr Zusammenstössen und blutigen Auseinandersetzungen. Bei dem Massaker von Sharpeville 1960, bei dem zwischen 5.000 und 20.000 Schwarze ohne Pass auf ein Polizeirevier zogen, um sich verhaften zu lassen, erschoss die Polizei 69 Schwarze meist von hinten und verletzte weitere 180. Als Folge dieser Auseinandersetzungen rief die Regierung den Notstand aus, und der ANC und die PAC (Panafrikanische Kongress) wurden verboten. Ein neues Sabotagegesetz wurde verabschiedet und stellte die meisten Formen politischer Opposition unter Strafe. Daraufhin entschieden sich der ANC und PAC zum bewaffneten Widerstand gegen das Regime, und im Jahre 1964 wurde Nelson Mandela der Sabotage und des Verrats bezichtigt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Apartheid, und die Apartheidpolitik führte zu wirtschaftlichen Sanktionen und internationaler Isolierung Südafrikas. Viele Unternehmen zogen sich aus Südafrika zurück.

Hector_PetersonIm Jahre 1976 demonstrierten etwa 15.000 Studenten und Schüler in Soweto, einem Vorort von Johannesburg, gegen die vom Bantu Education Act festgelegte minderwertige Bildung für die schwarze Bevölkerung. Bei dem „Aufstand in Soweto“ starben viele Schüler und Studenten, als Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten vorgingen. Kinder und Jugendliche wurden verhaftet und unter Folter versuchte die Polizei die Namen der Anführer zu erhalten. Es kam zu weiteren Streiks der schwarzen Bevölkerung und zu internationalen Protesten.

Der politische und wirtschaftliche Druck auf Südafrika führte zu einer Abschwächung der Apartheidpolitik und zwang die Politik, eine versöhnlichere Haltung einzunehmen. Im Jahre 1989 wurde Frederik Willem de Klerk, Vorsitzender der Nationalen Partei Staatspräsident. Er kündigte weitreichende Reformen an und hob das Verbot der verbotenen Parteien ANC und PAC sowie weitere politischer Organisationen auf. Nelson Mandela und andere Führer des ANC und politische Gefangene wurden aus dem Gefängnis entlassen, und de Klerk trat in Verhandlungen mit dem ANC.

WaehlerSchlangeNelson_Mandela_neuIm April 1994 fanden die ersten freien Wahlen für alle Bewohner statt, und der ANC ging daraus als deutlicher Wahlsieger hervor. Nelson Mandela wurde zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt.

Im Jahre 1996 setzte Präsident Nelson Mandela eine neue Landesverfassung in Kraft, die seither die oberste Gesetzes-grundlage des Staates ist. Diese Verfassung gilt als eine der liberalsten der Welt, und die Gleichstellung der verschiedenen ethnischen Gruppen, die Gleichstellung von Frauen und Männern, soziale Gerechtigkeit, Meinungs- und Religions-freiheit, das Recht auf gewerkschaftliche Betätigung und die Gewaltenteilung sind darin festgeschrieben.

   

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